Der auf Norderney anfallende Klärschlamm (rd. 21.000 m³/a) bedarf wie überall einer Entwässerung. Dies geschieht auf Norderney seit 1991 mit einer Klärschlammvererdungsanlage, die zwischen der Deponie und dem Nordseedeich errichtet wurde. Sie besteht aus 9 mit Folie abgedichteten Becken, in die der Klärschlamm in Intervallen eingeleitet wird. In der Spitze wird hier der Klärschlamm von bis zu 50.000 E(G)W auf einer Bruttofläche von ca. 1,5 ha behandelt. Alle Becken wurden bisher einmal geräumt, davon 2 Beete zum zweiten Mal. Die entstandene Klärschlammerde wurde auf der Deponie verwertet, so dass keine aufwändigen Transporte zum Festland stattfinden müssen. Diese erste großtechnische Vererdungsanlage der Firma EKO-PLANT hat in den vergangenen 14 Jahren bis heute die in sie gesetzten Erwartungen erfüllt und übertroffen.
Vorteile aus unserer Sicht:
- geringer Arbeitsaufwand
- geringe Betriebskosten
- geringe Verwertungsmenge
- gute Betreuung
Wirtschaftsbetriebe Norderney – August 2005
Das Verfahren im Detail:
Die Entwässerung des Klärschlamms erfolgt bei uns durch Vererdung in Schilfbeeten. Diese wasserdichten Erdbecken sind in Schichten aufgebaut: Kunststoffdichtungsbahn, Drainage, Bodenkörper, Schilf. Dieses aufeinander abgestimmte System ermöglicht in der ersten Phase die weitgehende Abtrennung des Wassers vom Feststoffanteil über die Drainage. Nach der Abtrennung wird das Filtratwasser wieder in die Kläranlage zurückgeführt. Im Vergleich zu technischen Entwässerungen ist das Filtratwasser nur sehr gering belastet und entlastet gegenüber der früher notwendigen Schlammpresse die Kläranlage.
In den Schilfbeeten verbleibt eine eingedickte schlammige Suspension. Die Schilfpflanzen entziehen dem Schlamm über die Wurzeln weiteres Wasser und verdunsten es kontinuierlich, je nach Jahreszeit mehr oder weniger stark. Doch schon jetzt hat der Schlamm ungefähr soviel Wasser verloren wie bei der technischen Entwässerung, jedoch mit minimalem Aufwand an Primärenergie, Zeit und Kosten – komplett ohne teure Zusatzstoffe wie Entwässerungshilfsmittel oder Kalk.
Die Schilfbeete werden über mehrere Jahre hinweg in Intervallen weiter mit Schlamm beschickt. Im Laufe der Zeit werden die organischen Anteile des Schlammes biologisch umgebaut und mineralisieren, den Vorgängen einer Kompostierung sehr ähnlich (deshalb „Vererdung“). Organische Schadstoffe werden abgebaut und die Gesamtmenge weiter stark reduziert.
Etwa 6-12 Monate vor der Räumung wird kein Klärschlamm mehr auf das fast gefüllte Beet geschickt. Weiterhin anfallender Klärschlamm landet in den anderen Beetmodulen auf. Je Beet landet der Klärschlamm von 6 Jahren Kläranlagenbetrieb oder mehr auf, wurde im Beet eingedickt und anschließend vererdet. Durch die biologischen Prozesse entstand ein hochwertiges Substrat aus Klärschlamm, das bei Tests zur Pflanzenverträglichkeit ausgezeichnet abschneidet. Trotzdem ist auch Klärschlammerde per Gesetz weiterhin Klärschlamm, jedoch nur ein Bruchteil der Menge, die bei der technischen Entwässerung zu verwerten wäre und mit deutlich besseren Voraussetzungen für die Verwertung.
Unsere Klärschlammvererdungsanlage wird auch heute noch durch den Erbauer der Anlage mit betreut. Diese enge Partnerschaft hat sich bis heute bewährt: so wurden in gemeinsamen Forschungsprojekten mit BMFT und DBU wichtige Erkenntnisse für Anlagenunterhaltung und Verwertung des Endprodukts gewonnen.
Wir freuen uns auf weitere 14 Jahre Betrieb mit unserem Partner EKO-PLANT!